Refugee Report

“Open your eyes – hear my voice!”

„Am Ende bin ich in Europa angekommen.“

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2015/10/20 02:18

Am Ende bin ich in Europa angekommen. Gott sei dank, dass viele Leute nach Europa kommen konnten und dass ich ein Mensch unter ihnen bin. Als wir an- gekommen sind, hatten wir 1000 Fragen: Wer? Wo? Wie? Woher? Wohin? Wie viel? Aber wir hatten keine Antwort, weil unser Weg ins Unbekannte führt. Seit der Krieg in Syrien begonnen hat, haben die Leute auch begonnen aus ihrer Heimat zu flüchten. Einige gingen in die Türkei, einige nach Libanon, manche nach Ägypten oder Jordanien oder in andere arabische Länder. Diese Leute wollten nur in Frieden leben und ihre Würde behalten. Weil das Schlimmste für den Menschen ist, würdelos zu sein. Aber leider ist das Gegenteil eingetroffen. Und schlimm war auch, dass die Menschen nicht nur Syrien verlassen, sondern die ganze arabische Heimat, weil niemand dem syrischen Volk geholfen hat. Es war die Entscheidung, alles zu verlassen: Du musst losgehen, aber du kennst das Ziel nicht. Und hier fühlst du dich verloren und du beginnst mit den Fragen. Du fragst dich: Bleibe ich hier und bleibe ohne Würde? Oder gehe ich mit einem Schiff auf das Meer, in den Tod? Diese zwei Fragen bestimmen dein Ziel. Und beide sind tödlich. Die Leute sind auf das Wasser gegangen, weil es keinen anderen Weg gibt. Kinder sind auf dem Meer gestorben, Familien sind auf dem Meer gestorben und manche Leute mussten nach der Reise noch zur Fuß durch den Wald laufen. Sie verlaufen sich. Menschen sind durch Kälte oder Hunger gestorben. Wir sind ganz müde und immer unterwegs. Wir haben die Heimat verlassen, um unser Leben zu retten. Es ist sehr schwer, wenn du siehst, wie Leute dir deine Heimat nehmen und du kannst nichts machen.

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