Refugee Report

“Open your eyes – hear my voice!”

Als wir gerade durch den Wald liefen, verschwanden die Schleuser auf einmal.

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2015/10/22 03:58

Ich komme aus der Stadt Al Hasaka, ich bin von Beruf Anwalt. Meine Familie und meine Frau ich sind nach der Türkei angekommen ,und dort haben wir mit einem Schleuser gesprochen, er hat gesagt, dass er 6000 Euro nimmt um uns von der Türkei nach Deutschland zu bringen. In dieser Zeit hatte ich kein Geld, vielleicht nur 1000 Euro, aber in der Türkei ist es sehr teuer, also musste meine Familie zurück nach Syrien. Also bin ich alleine von der Türkei nach Bulgarien gelaufen. Von Bulgarien dann nach Serbien und von Serbien nach Ungarn . In Ungarn war ich mit einer Gruppe von 15 Leuten, als wir gerade durch einen Wald liefen, verschwanden die Schleuser auf einmal und dann waren wir alleine. Wir sind zwei Tage alleine im Wald geblieben und das war der dritte Februar 2015. Es war -6 Grad kalt. Dann hat uns die ungarische Polizei gefunden und hat uns gezwungen, unsere Fingerabdrücke abzugeben. Wir mussten zwei Tage auf der Polizeistation in Ungarn bleiben.

Jetzt habe ich Post vom Bundesamt bekommen, dass ich Fingerabdrücke in Ungarn habe und sie mich nach Ungarn zurück schicken wollen. Etwas hat mich genervt ,dass der Brief am 16.6.2015 geschriebenen wurde ,allerdings hat DHL gestreikt und ich habe den Brief erst am 14.7.2015 erhalten. In diesem Brief hat mir das Bundesamt mitgeteilt, dass ich einen Termin bei ihnen am 30.6.2015 habe, aber da bin ich nicht hingegangen, weil der Brief ja erst später angekommen ist. Ich habe dann bereits meinen zweiten Brief vom Bundesamt bekommen, mit der Aufforderung nach Ungarn zu gehen. Dann habe ich mit einem Anwalt gesprochen.

Meine Frau und meine Kinder können nicht mehr in Syrien bleiben, weil ISIS mittlerweile in meine Stadt gekommen ist. Gott sei dank, dass meine Familie und meine Frau fliehen konnten. Mein Haus ist zerstört. Meine Frau und meine Kinder schlafen an der türkischen Grenze. Da gibt es keine Ärzte, keine Versorgung und ich habe eine Tochter, die eine Behinderung. Sie hat eine halbseitige Lähmung. Ich habe jetzt einen Termin beim Verwaltungsgericht Holstein und mit dem Anwalt habe ich einen Vertrag gemacht, er kommt aus Bremen. Mein Problem ist, dass das Verwaltungsgericht sagt, dass ich vielleicht bleiben kann und vielleicht auch meine Familie holen kann, aber dass darüber jetzt nicht entschieden werden kann, sondern erst viel später. Ich hoffe, dass sie bald kommen können, weil meine Kinder sehr klein sind und es gibt keine Schulen mehr in Syrien und meine Kinder müssen weiter lernen. Und es gibt auch keine Ärzte, meine Tochter braucht dringend ärztliche Behandlung, weil sie eine halbseitige Lähmung hat. Das ist mein Problem und ich hoffe, dass das Bundesamt mir helfen kann. Ich bin jetzt seit acht Monaten in Deutschland. Ich bitte darum, dass mir das Bundesamt einen Aufenthaltserlaubnis gibt und dass meine Familie kommen darf. Vielen Dank, dass ich sprechen durfte und danke Deutschland.

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